Sei geschmeidig
So wirft plötzliches, heftiges Gasgeben das Gewichtsmoment des Autos nach hinten und entlastet die Vorderräder (die brauchen wir jedoch zum Steuern), und abruptes Bremsen schmeisst den
Schwerpunkt nach vorne - die Vorderräder sind mit Bremsen und Steuern überfordert, und das erleichterte Heck hat auf einmal Lust auf einen Swing und tanzt fröhlich um uns herum.
Beim Fahren geht es also in erster Linie um Gewichtsmanagement, die stetige Kontrolle der sich immerzu verändernden Fahrzeugbalance, mit dem Ziel, den Kontakt der Reifen zur Strasse nicht
überzustrapazieren. Das heisst: Sanftes In-die-Kurven-Lenken, feiner Umgang mit Gas und Bremse, behutsames Schalten.
Ich hatte diesen Frühling das Glück, bei Rennpilotin Christina Surer als Passagier mitzufahren. Christina schaffte es, dass sich die harte Seat-Rennbüchse auf der Strecke so geschmeidig bewegte,
als schwämme sie in feinstem Extra-Vergine-Olivenöl. Sogar in den engsten Haarnadelkurven der Bergrennsrecke von St. Ursanne wurde ich im Cockpit nicht herumgeschleudert, sondern sanft seitwärts,
nach hinten und vorne geschubst, während Christinas Hände und Füsse an Steuer und Pedalen ein wahres Ballett vollführten. Ich fühlte mich eher an Bord einer vorzüglich gefahrenen Limousine
(„James, verschütte nicht unseren Champagner“) als in einer Hollywood-Vollgas-Verfolgungsszene mit Steve McQueen. Glauben Sie mir: Sanftheit am Steuer ist der beste Indikator für echtes
Fahrkönnen. (Und meist stimmt auch der Umkehrschluss: Rambo-Stil am Steuer ist ein klarer Indikator für ein A…).
